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Die
Dörfer bis 1920
Marzahn
Von
Marzahn existiert die älteste Urkunde. Zum ersten Mal erscheint
das Dorf als Morczane am 19. November 1300 in einer Urkunde des
Markgrafen Albrecht 111., in der er den Nonnen des Klosters Friedland
(heute: Altfriedland) Landbesitz bestätigte. Marzahn war ein
Angerdorf. Charakteristisch ist der spindelförmige Anger, um den
die Straße herumführt. Bis heute hat sich diese Dorfform
erhalten.
Über
Marzahn erfahren wir außerdem aus dem Landbuch Kaiser Karls IV.
einer 1375 angelegten statistischen Auflistung der
Verhältnisse in den Dörfern der Mark Brandenburg ,
dass das Dorf über 52 Hufen Landes verfügte, von denen dem
Pfarrer vier, der Kirche eine und den Friedländer Nonnen drei
gehörten. Die restlichen Hufen waren Eigentum des Johannes von
Wulkow, der auch Grundherr war. Er wohnte nicht in Marzahn, sondern
lebte auf der Burg Falkenhagen unweit von Frankfurt/Oder.
Wenige
Jahrzehnte später, 1412, wird die Familie von Lindenberg als
Besitzerin von Marzahn genannt. Sie blieb bis zum Ende des 16.
Jahrhunderts ansässig. In der Zeit der Lindenbergs bildete sich
das adlige Gut heraus, das später geteilt wurde.
Wie
aus dem Landbuch ersichtlich, besaß Marzahn schon im 14.
Jahrhundert eine Kirche, doch blieb die eigene Kirchgemeinde nur bis
ins 16. Jahrhundert erhalten. Mit der Reformation 1539 in Brandenburg
wurde Marzahn Tochterkirche zunächst von Biesdorf, dann von 1604
bis nach dem Zweiten Weltkrieg von Friedrichsfelde.
Verheerende
Auswirkungen hatte der Dreißigjährige Krieg, der 1626 die
Mark Brandenburg erreichte. Zwei Jahre zuvor lebten in Marzahn acht
Bauernund fünf Kossätenfamilien. Als vierJahre nach dem
Krieg, 1652, die Situation in den Dörfern erfasst wurde, gab es
zwarerneutfünf Kossäten, aber keine Hufenbauern mehr. Der
Wiederaufbau verlief sehr mühselig. Bis 1700 hatte lediglich ein
Bauer einen Dreihufen Hof übernommen. Außerdem waren
noch sieben Kossätenhöfe besetzt. Auch die
Herrschaftsverhältnisse änderten sich nach dem Krieg. 1657
und 1681 erwarb der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm
jeweils einen Teil von Marzahn samt Gut und unterstellte ihn dem
kurfürstlichen Amt Köpenick. Die zusammen 23 Hufen großen
adligen Güter wurden Amtsvorwerk.
Nach
dem Siebenjährigen Krieg (1756 1763) wurden im Rahmen der
Siedlungspolitik Friedrichs 11. auch für Marzahn gezielt Bauern
aus der Pfalz angeworben. Das Vorwerk mit Inventar und Vieh wurde
1764 aufgeteilt. Es entstanden zwanzig Kolonisten Höfe mit
100 bzw. 50 Morgen Land. Die Pfälzer bildeten für mehrere
Jahrzehnte eine eigene Dorf , Kirch und Schulgemeinde.
Die
preußischen Reformen nach 1807 hatten die Ablösung
bestehender Dienste und Abgaben auch in Marzahn zur Folge. Bei den
"Alt Marzahnern" dauerte die Dienstregulierung von
1825 bis 1827. Die ehemaligen Kolonisten, die keine Dienste
erbrachten, sondern "nur" Geldrenten entrichten mussten,
blieben von dieser Prozedur befreit. Die Separation, d.h. die
Zusammenlegung der auseinandergelegenen Grundstücke eines
Besitzers durch Austausch mit anderen, war komplizierter. Es gab
Uneinigkeiten zwischen den ehemaligen Kolonisten, die die Separation
bereits 1821 einleiten wollten, und den Alteingesessenen, die vor
allem Sorge hatten, schlechteres Land zu bekommen. 1849 schließlich
wurde die Separation in Marzahn vollzogen. Eine Folge der Reformen
war die Herstellung der Gewerbefreiheit, die 1815 den ersten
Mühlenbau in Marzahn ermöglichte.
Die
preußische Gemeindeordnung brachte auch Marzahn die kommunale
Selbstverwaltung. 1872 wurde das Dorf aus der Obhut des Amtes
Mühlenhof, in der es sich seit 1811 befand, herausgelöst.
Es gehörte fortan zum Kreis Niederbarnim mit Landratssitz in
Berlin und bildete seit 1874 gemeinsam mit Hohenschönhausen den
Anntsbezirk Hohenschönhausen. Im selben Jahr wurde der
Bauerngutbesitzer Dubick erster Gemeindevorsteher.
Die
sehr rasche Bevölkerungsentwicklung Berlins in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts machte den Ausbau der städtischen
Infrastruktur erforderlich, der auch Umlandgemeinden wie Marzahn
erfasste. Mit dem Kauf des seit 1857 bestehenden Gehöftes
Bürcknersfelde begann die Anlegung von Rieselfeldern auf
Marzahner Gebiet. 1898 erhielt der Ort einen Haltepunkt der Wriezener
Bahn. Am Wiesenburger Weg wurde 1909 ein Lichtenberger Friedhof
eröffnet, der ab 1932 als hauptstädtischer Armenfriedhof
genutzt wurde. 1910 begannen erste Landverkäufe zu
Parzellierungs und Siedlungszwecken, wobei in Marzahn die
Siedlungstätigkeit deutlich weniger ausgeprägt war als etwa
im benachbarten Biesdorf. Wasser und Gasanschluss bekam der Ort
1904, erst 1920 kam die Stromversorgung hinzu.
Eine
Marzahner Besonderheit war die Nutzung der Windkraft durch den Müller
Maximilian Georg Triller, der 1912 neben der 1873 erbauten neuen
Mühle eine erste Windturbine errichtete, die der
Hausstromerzeugung diente.
Text: Dr.
Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
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