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Streiflichter aus der Bezirksgeschichte von Marzahn Hellersdorf

Die Dörfer bis 1920


Hellersdorf

Auch Hellersdorf wird im Landbuch Kaiser Karls IV. 1375 das erste Mal erwähnt. Der unter den Bezeichnungen Helwichstorpp und Helwichstorf aufgenommene Ort verfügte nur über 25 Hufen und war damit der deutlich kleinste im heutigen Bezirk. Mit drei Hufen besaß der Pfarrer eine Hufe weniger Land als in den anderen vier Dörfern. Die Ausbildung einer Gutsherrschaft war in Hellersdorf am weitesten vorangeschritten. Der Ritterhof der Gebrüder Dyreke, die auch die Dorfherren waren, umfasste mit neun Hufen mehr als ein Drittel der gesamten Feldmark. Neun Kossätenfamilien lebten im Ort. Als einziges der fünf Dörfer besaß Hellersdorf eine Windmühle. Auch ein Krug ist verzeichnet, für den jedoch keine Abgaben ausgewiesen sind. Die Ursache könnte sein, dass der Wüstungsprozess bereits begonnen hatte, der in den nachfolgenden Jahrzehnten zum völligen Verlassen und Verfall des alten Dorfes führte.

Das untergegangene Hellersdorf, das sich etwa 700 m südlich des heutigen Gutes nahe dem jetzigen U Bahnhof Cottbusser Platz befand, wurde im Zusammenhang mit dem Aufbau der Großsiedlung Hellersdorf zwischen 1983 und 1986 ausgegraben. Zum Vorschein kamen die etwa 16 mal 9 m große Kirche, der Friedhof, sechs Wohnhäuser und ein Backofen sowie Alltagsgegenstände. Auch eine bronzene Feinwaage für Silber, wie sie Händler benutzten, wurde gefunden, was auf Handelsbeziehungen zwischen Stadt und Land hindeutet.

1416 wurde Hellersdorf den Gebrüdern von Krummensee aus Alt Landsberg übereignet. Zwar bestand das Dorf selbst nicht mehr, doch das Land wurdeweitergenutzt, lange bestand eineSchäferei. Hellersdorf wechselte in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer und kam schließlich zum nördlich gelegenen, benachbarten Dorf Eiche. Als der brandenburgische Kanzler Johann von Löben 1618 Eiche erwarb und seinem Gut Blumberg angliederte, kam auch Hellersdorf für lange Zeit   bis 1872   unter die Herrschaft der Blumberger Besitzer. Zu den bekanntesten gehörte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Freiherr Friedrich Rudolf von Canitz, deran derSchwellezur Aufklärung als Schriftsteller bekannt wurde. Um 1740 wurde in Hellersdorf ein Vorwerk mit einer Schäferei angelegt, das zum Gut Eiche gehörte. Nur einige Personen lebten hier, und die Einwohnerzahl stieg über Jahrzehnte nicht an. 1734 gab es elf Hellersdorfer, 1817 waren es sogar nur zehn. Ein eigenes Kirchengebäude hatten diese wenigen Bewohner nicht, sie mussten zum Gottesdienst zur Kirche von Eiche gehen.

Ein langsamer Aufschwung begann mit dem Besitzwechsel Blumbergs 1836. Die bekannte Familie der Grafen von Arnim erwarb den Ort mit Eiche und Hellersdorf und baute das Vorwerk Hellersdorf nachfolgend zum Rittergut aus. Nun wuchs auch die Gutsbevölkerung auf 139 im Jahre 1871 an.

1886 kaufte Berlin das 450 ha große Gut von den Arnims für 885.000 Mark. Dennoch blieb Hellersdorf bis 1920 ein selbstständiger Gutsbezirk im Kreis Niederbarnim. Das Land wurde geteilt. Auf dem Gelände östlich der Wuhle erfolgte die Anlage von Rieselfeldern für die Abwässer der schnell wachsenden Hauptstadt. Westlich der Wuhle errichtete Berlin von 1890 bis 1893 die Heil  und Pflegeanstalt für Epileptische "Wuhigarten", das heutige"Wilhelm Griesinger Krankenhaus". Im Ort wurden nach 1880 verschiedene Ställe, weitere Wirtschafts  sowie Verwaltungsgebäude, Schule und Arbeiterwohnhäuser gebaut, von denen einige bis heute erhalten sind und wie die Gesamtanlage des Gutes unter Denkmalschutz stehen.

Text: Dr. Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf


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