Zwischen
Kienberg und Rohrbruchpark
Südlich der Eisenacher
Straße beginnt einer der schönsten und interessantesten
Abschnitte des Wuhletals. In der Aufeinanderfolge von menschlichen
Eingriffen und natürlichem Wachstum entstand hier in den letzten
Jahrzehnten eine unverwechselbare Landschaft. Zwar ist von der
ursprünglichen Auenlandschaft kaum noch etwas zu erkennen, doch
auch der Naturraum, der sich hier entwickelt hat, besitzt den Reiz des
Urwüchsigen und Ungestalteten. Der für die Bewohner der
nahegelegenen Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf leicht
zugängliche Freiraum verfügt damit über einen
unschätzbaren Erlebnis- und Erholungswert. Darüber hinaus
sind die "Biotope aus zweiter Hand" auch für den Naturhaushalt von
außerordentlicher Bedeutung. Das Potenzial des Wuhletals für
den Biotop- und Artenschutz wird gerade in diesem Abschnitt anschaulich
erfahrbar.
Zunächst verengt sich das Wuhletal südlich der Eisenacher
Straße und erscheint wieder deutlicher als Talsenke. Diese
Situation wird noch dadurch unterstrichen, dass auf Hellersdorfer Seite
die städtische Bebauung bis dicht an die Hangkante heranreicht,
während auf östlicher Seite der Kienberg durch
Aufschüttung künstlich überhöht wurde.
Charakteristisch für die Niederung sind Brachflächen, die nur
an einzelnen Stellen von Gehölzen bewachsen sind. Solche
Grünlandbrachen sind im Wuhletal relativ häufig anzutreffen.
Nach Aufgabe der Nutzung setzten sich hier meist Hochstaudenfluren
durch.
Von der Eisenacher Straße an verläuft die Neue Wuhle
(parallel zur Fernheiztrasse) am östlichen Rand des Tals,
während die Alte Wuhle in der Mitte der Niederung fließt.
Auch dieses Fließgewässer, das im Vergleich zur Neuen Wuhle
als sehr natürlich erscheint, trägt die Spuren menschlicher
Eingriffe. Im Zusammenhang mit der Rieselfeldwirtschaft wurde die
"Naturwuhle" begradigt und vertieft, damit sie als "Vorfluter" das
Drainwasser schneller in die Spree ableiten konnte.
Prägend für das Landschaftsbild in diesem Bereich ist der
Kienberg, der auf östlicher Seite das Tal begrenzt.
Ursprünglich gab es hier eine eiszeitlich entstandene Anhöhe
von 58 m NN. Auch diese Anhöhe wurde mit Aushub, Bau- und
Trümmerschutt aufgeschüttet und erlangte damit eine Höhe
von 102 m NN. Die vielfältige Vegetation, die sich hier inzwischen
entwickelt hat, und das abwechslungsreiche Geländeprofil sind
günstige Voraussetzungen für eine extensive Erholungsnutzung.
Ein besonderer Vorzug dieses naturnahen Erholungsraumes ist die
Weitsicht, die von der Anhöhe aus in verschiedene Richtungen
möglich ist.
Aufgrund seines offenen busch-
und waldartigen Charakters sowie seiner Nähe zum Wuhletal ist der
Kienberg auch ein für den Biotop- und Artenschutz wichtiges Areal.
Hier gibt es Brutreviere für seltene und gefährdete
Vögel, andere Tiere finden Rückzugsmöglichkeiten.
Im südöstlichen Bereich des Kienbergs öffnet sich das
Wuhletal zu einem weiträumigen Talkessel. Auf Hellersdorfer Seite
wird die Niederungskante betont durch den künstlich
aufgeschütteten Rohrbruchpark sowie durch den vorgezogenen Rand
der Bebauung. Der Talraum selbst wird heute landschaftlich geprägt
durch Feuchtgebiete, in denen sich Röhrichtbestände stark
ausgebreitet haben.
Anfang der neunziger Jahre zeichnete sich die Gefahr ab, dass durch
Absenkung des Grundwasserspiegels noch bestehende Feuchtbiotope wie das
Rohrbruch verschwinden könnten. Ehrenamtliche Naturschützer
legten daraufhin Dämme an, die dafür sorgten, dass mit dem
Wasser der Alten Wuhle große Flächen überstaut wurden.
Die Vernässung dieser Flächen führte bald zu einer
Veränderung der Vegetation. An Stelle der Brennesselfluren
siedelten sich ausgedehnte Röhrichtbestände an. Damit kann
vielleicht auch die Zersetzung der noch bestehenden Reste eines
Flachmoores im Wuhletal aufgehalten, wenn nicht sogar
rückgängig gemacht werden.
Die Ausbreitung des
Röhrichts erhöht nicht nur den landschaftlichen Reiz des
Wuhletals, sondern stellt auch für den Naturhaushalt einen Gewinn
dar. Denn die hochwüchsigen Pflanzen der Teichröhrichte sind
für viele Tierarten ein sehr wertvoller Lebensraum. Vögel
finden hier Schlafplätze, Brutverstecke sowie Nahrungsräume
und Unterschlupf zum Mausern.
Wie
aufgrund langjähriger Beobachtungen festgestellt werden konnte,
brüten
im gesamten Wuhletal ca. 70 Vogelarten. Von den Brutvogelarten stehen
19 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Aufmerksam
werden
Bestandsschwankungen und -rückgänge verfolgt, die meist mit
dem
Verschwinden von Lebensräumen verbunden sind. Für den
Artenschutz und
die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist es deshalb wichtig, die
entsprechenden Biotope zu schützen.
Das barrierefreie Nebeneinander unterschiedlicher Biotope
(Feuchtgebiete, Krautfluren, besonnte Saumbereiche des Kienbergs)
bietet auch für Amphibien sehr günstige Lebensbedingungen.
Ihr
Vorkommen ist immer ein Indiz dafür, dass wir es mit einem
naturnahen
Lebensraum zu tun haben.
Die landschaftliche Vielfalt des Talraums zwischen Kienberg und
Rohrbruchpark wird weiter bereichert durch eine "Sandlinse", die sich
inmitten der Wuhleniederung befindet. Die besondere Vegetation auf
dieser etwas erhöht liegenden Fläche zeigt an, dass wir es
hier nicht
mit einem moorigen, sondern mit einem sandigen Untergrund zu tun haben.
Südlich der Sandlinse liegt als größeres Gewässer
der Wuhleteich, der
1990 künstlich angelegt wurde. Auch dieser "Biotop aus zweiter
Hand"
ist zur Lebensstätte zahlreicher Tierarten, vor allem von
Wasservögeln,
geworden. Der Teich nimmt das Wasser des
Biesdorf-Marzahner-Grenzgrabens auf, eines alten Zuflusses zur Wuhle,
der inzwischen der Regenwasserableitung aus der Marzahner
Großsiedlung
dient. Auch wird der Teich von der Alten Wuhle durchflossen, die weiter
südlich in den Klärwerksableiter eingeleitet wird.
Die Wuhleaue südlich der Eisenacher Straße wird auf
Hellersdorfer Seite
noch durch zwei Feuchtbiotope bereichert - den Hasenpfuhl und das
Regenrückhaltebecken an der Cecilienstraße. Dieser Bereich
des
Wuhletals, der von der Höhe des Rohrbruchparks aus gut zu
überschauen
ist, bietet ein anschauliches Beispiel dafür, dass ein
artenreicher
Naturraum auch einen hohen Erholungswert besitzt.