Durch
Köpenick zur Mündung
Östlich der Wuhle
ändert sich mit dem Überschreiten der Bezirksgrenze
zunächst nichts am Landschaftsbild. Auch hier haben sich typische
Vorstadtsiedlungen mit schlichten kleinen Wohnhäusern
ausgebreitet. Die Besiedelung dieses Bereichs begann nach dem Ersten
Weltkrieg. Die anfänglich lockere Bebauung wurde nach und nach
verdichtet. In den sechziger Jahren kam die Siedlung Piepertswinkel
hinzu, 1993/94 die Neubebauung südlich der Hoppendorfer
Straße.
Auf Biesdorfer Seite wird südlich der Bezirksgrenze das
Siedlungsgebiet von einem Ausläufer der Wuhlheide abgelöst.
Hier reichen die Brunnen des Wasserwerkes Wuhlheide bis dicht an die
Wuhle heran, Schilder verweisen auf den Status als
Trinkwasserschutzgebiet. Aus einer Tiefe von 40 bis 45 m wird aus den
Brunnen Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung gefördert.
Nach dem schmalen Waldstreifen mit der Brunnengalerie öffnet sich
der Blick, über die weiten Freiflächen des Innovationsparks hinweg wird im
Hintergrund die Wuhlheide sichtbar. Im Vordergrund fallen die neuen
Gebäude des Gewerbezentrums "Manfred von Ardenne" auf, die von
weiträumigen Rasenflächen umgeben sind. Zur Wuhle hin sind
einzelne Bäume und Gehölzinseln erhalten geblieben, die an
die frühere Wuhlheide erinnern. Bei Neupflanzungen wird heute Wert
darauf gelegt, dass für den ursprünglichen Waldbestand der
Wuhlheide typische Arten verwendet werden. Damit soll die Wirkung des
Gewerbegebietes als Fremdkörper zwischen Wald und Fließtal
gemindert werden.
Südlich der Bezirksgrenze ist die Wuhle bis zur Birnbaumer
Straße nur auf östlicher Seite begehbar. Hier reicht das
Siedlungsgebiet mit seinen Grundstücken oft bis dicht an den
Uferweg heran, zum Teil liegen aber auch Freiflächen mit
Bäumen zwischen Wuhle und Siedlung. Einzelne Altbäume wie
Kiefern und Eichen, Ulmen und Erlen zieren auch hier die Landschaft und
geben noch einen Hinweis auf den früheren Charakter des Gebietes.
Bis zur Mozartstraße ist die Wuhle tief in das Gelände
eingeschnitten und die Böschungen sind relativ steil. Obwohl das
Gewässer nach all den Ausbaumaßnahmen auch in diesem Bereich
eher einem Kanal gleicht, wirken Gehölzaufwuchs und Pflanzendecke
inzwischen wieder sehr natürlich. Je nach Qualität des
Pflanzgutes, das Ende der achtziger Jahre verwendet wurde, und anderen
Zufälligkeiten haben sich zum Teil dichte Gehölzbestände
herausgebildet, zum Teil sind aber auch gehölzfreie Lücken
geblieben. Erfreulich sind die gesunden Bestände junger Eichen,
auch findet man unter den angepflanzten Bäumen typische
Auengehölze wie Erlen und Eschen.
Zwischen Mozartstraße und Bahndamm ist bei aufmerksamer
Betrachtung noch etwas von der ursprünglichen Topographie der
Wuhleniederung zu erkennen. Die Ufer sind hier flacher und auf
östlicher Seite ist ein leichter Geländeanstieg wahrnehmbar.
Noch Mitte der dreißiger Jahre gab es in diesem Bereich an der
Kaulsdorfer Straße nur einzelne Wohnhäuser, und die
Wuhlewiesen auf westlicher Seite waren auch erst zu einem geringen Teil
in Kleingärten verwandelt worden. Die Erklärung findet sich
in einer zeitgenössischen Quelle (1935). Dort heißt es
über das Wuhlebett, es liege "zum größten Teil, und
zwar hauptsächlich im Unterlauf, im Sumpfgebiet, das in
Regenzeiten durch das Hochwasser überschwemmt wird." Erst in den
sechziger Jahren wurden an der Kaulsdorfer Straße DDR-typische
Neubauten errichtet, mit Garagenzeilen und großzügigen
Grünräumen zwischen den Häusern. Zur Wuhle hin wahrte
man dabei Abstand, der zum Teil mit Grünflächen ausgestaltet
wurde, zum Teil blieben die dortigen Kleingärten erhalten.
Im Lauf der Wuhle wirkt der Eisenbahndamm als schroffe Barriere. Vom
Bahndamm bis zur Mündung hat die Wuhle noch einen Kilometer
zurückzulegen. Die städtische Bebauung kommt hier - in
Gestalt des neuen Einkaufcenters "Forum Köpenick" - sehr dicht an
das Gewässer heran. Für den Wanderer, der die Wuhle bis zur
Mündung begleiten will, hat der Neubau allerdings auch einen
Vorteil: Der Bahndamm ist durch eine neue Unterführung passierbar
und auf einem glatten, gepflasterten Weg kann man neuerdings von hier
bis zur Mündung an der Wuhle entlang wandern.
Der Teil der Köpenicker
Dammvorstadt, durch den die Wuhle nun fließt, ist locker
bebaut, so dass noch reichlich Platz bleibt für Garagen, aber auch
für größere Gärten. Die flachen Ufer, der Ausblick
auf die Wuhlheide, die Freiflächen am nordwestlichen Ufer, die
Gärten am Wege und die neu gestalteten Spielplätze - das
alles zusammen schafft eine freundliche, erholsame Umgebung, die sich
deutlich von der städtischen Turbulenz der nahe gelegenen
Bahnhofstraße abhebt.
Nach der beschwerlichen Überquerung der Lindenstraße gelangt
man in eine kleine Grünanlage. Durch diese öffentliche
Grünanlage ist wenigstens ein kleiner Teil des Spreeufers
zugänglich, so dass man die Wuhle auf ihren letzten Metern
begleiten und vom Ufer der Spree aus in verschiedene Richtungen
Ausschau halten kann.
Hier vollendet also die Wuhle
ihren Lauf und gibt ihr Wasser an die Spree ab.
Im Laufe der Zeit unterlag die Wuhle selbst zahlreichen Wandlungen, und
um das Gewässer herum hat sich eine Landschaft herausgebildet, die
von den Kräften der Natur geformt, vom Menschen aber umgeformt
wurde.
Und alles hat seine Spuren hinterlassen. So findet man Auwaldrelikte
und Niedermoorreste, die auf den natürlichen Ursprung verweisen,
andererseits sind wertvolle Pflanzengesellschaften anzutreffen, die
eine Austrocknung der oberen Bodenschichten anzeigen.
Auch siedlungsgeschichtlich bietet das Wuhletal einen Längsschnitt
durch die Zeit: vom mittelalterlichen Dorfkern bis zu den Zeugnissen
des industriellen Wohnungsbaues, vom bescheidenen Siedlungshaus der
dreißiger Jahre bis zum modernen Einkaufscenter.
Und immer noch ist alles in Entwicklung begriffen, so dass in ein/zwei
Jahren vieles schon wieder anders aussehen kann. Dabei ist zu hoffen,
dass möglichst viel von dem erhalten bleibt oder sogar
wiederhergestellt werden kann, was die Eigenart dieser Landschaft
ausmacht.
Auf jeden Fall bietet ein Gang
durch
das Wuhletal die Chance zu vielfältigen Entdeckungen und
Erlebnissen.