Wuhleblase
und Wuhlesee
Von der Brücke Heesestraße/Heerstraße bietet sich
Richtung Süden ein idyllischer Anblick: Die Wuhle fließt
hier über mehrere Stufen in ein breites, tiefer liegendes Becken -
die Wuhleblase. Von hier bis
zur Mündung war die Wuhle in den
fünfziger Jahren tiefer gelegt worden. Dieser Eingriff war Teil
von Maßnahmen, mit denen der Grundwasserspiegel reguliert werden
sollte. Die heutigen Siedlungsgebiete in Wuhlenähe hatten
überhaupt erst bebaut werden können, nachdem durch die beiden
Wasserwerke (im Kaulsdorfer Busch und in der Wuhlheide) die
Grundwasserstände erheblich abgesenkt worden waren. Seitdem
hängt der Grundwasserspiegel von der Förderleistung der
Wasserwerke ab; wenn sie - wie nach dem Zweiten Weltkrieg - deutlich
weniger Wasser entnehmen, dringt bei zahlreichen Siedlungshäusern
Wasser in die Keller ein. Dem sollte durch die Regulierung vorgebeugt
werden.
Die Strecke von der Brücke bis zur
Lindenstraße/Zimmermannstraße gehört zu den wenigen
Stellen, wo die Wuhle am Ufer nicht begehbar ist. Eine Umgehung auf
westlicher Seite führt über die Fortunaallee. Hier fallen
zwei große Gebäude auf: ein sehr altes - das St. Josefhaus,
und ein ganz neues - das Priesterseminar der katholischen Kirche. Beide
Gebäude liegen in einem alten Park, der zur Wuhle hin
abfällt. Prägend für das Gesamtbild sind die alten
Gehölze, vor allem die prächtigen Eichen, die auf die Zeit
vor der ersten Bebauung zurückgehen. Auffallend sind auch die
ausladenden Schwarzpappeln. Sparsam wurden in die Anlage
Ziergehölze wie Trompetenbaum, Tulpenbaum und Blumenesche
eingefügt.
Das alte Gebäude an der Fortunaallee, das mächtig aus der
Umgebung herausragt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1912
hatte eine "Gesellschaft Erholung mbH" zwei an der Wuhle gelegene
Grundstücke erworben, um ein Exerzitienhaus für den
Jesuitenorden zu errichten. Geplant und ausgeführt wurde ein
dreigeschossiges Gebäude mit jeweils einem Kopfbau an den
Gebäudeenden. Dem südöstlichen Bauteil wurde ebenerdig
ein Kapellenbau vorgelagert. Die vielfältige Gliederung und
Durchdringung der einzelnen Baukörper gibt dem Ganzen bei aller
Wucht eine gewisse Eleganz.
Im Bereich der Parkanlage an der Fortunaallee ist eine für das
Urstromtal erstaunliche Geländebewegung zu beobachten. Die
geologische Karte vermerkt hier einen Dünenzug, der sich von
Friedrichsfelde bis zur Südwestspitze des Kaulsdorfer Busches
erstreckt. Flugsanddünen mitten im Urstromtal sind interessante
Ausnahmeerscheinungen. Sie entstanden, als sich nach dem Rückzug
des Eises die Schmelzwasserströme verlagerten und die
Wasserführung im Berliner Urstromtal zurückging. Unter dem
Einfluss von West- und Nordwestwinden wurden aus den trockengefallenen
Flächen Feinsande herausgeblasen und an anderen Stellen als
Dünen abgelagert.
Das Siedlungsgebiet östlich der Wuhle wirkt dagegen offener,
weiträumiger. Dieser Eindruck ist vor allem auf das Fehlen alter
Alleebäume zurückzuführen, auch auf den
Grundstücken gibt es kaum größere Altbäume. Obwohl
viele der Straßen ebenfalls schon um 1905 angelegt worden waren,
verlief hier die Entwicklung offenbar anders als auf Biesdorfer Seite.
Die Bebauung mit älteren Häusern ist spärlicher, viele
der Grundstücke wurden bis in die jüngste Zeit nur zur
Erholung am Wochenende genutzt. So ist hier der Vegetationsanteil in
den Gärten noch relativ hoch, auch Grundstücke mit
Obstbäumen und alten Kulturpflanzen sind noch häufiger
anzutreffen.
Neben ihren Vorzügen für den Naturhaushalt der Stadt hatten
die Siedlungsgebiete in Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf von Anfang an
einen ökologischen Makel: Die Entsorgung des Abwassers erfolgte
(und erfolgt z. T. noch immer) über individuelle Sammelgruben, die
von Zeit zu Zeit geleert werden mussten. Erst in den neunziger Jahren
begann der flächendeckende Ausbau der Schmutzwasserkanalisation,
an die die Grundstücke nach und nach angeschlossen werden. Nach
den Planungen der Berliner Wasserbetriebe sollen die Arbeiten bis 2005
im Wesentlichen abgeschlossen sein.
Landschaftlich bildet der Wuhlesee
(früher auch als Wuhlebecken
bezeichnet) und seine Umgebung eine erfreuliche Abwechslung im
südlichen Wuhleverlauf. Die weite Wasserfläche, das
Röhricht und die Baumgruppen am Ostufer, die Freiflächen auf
westlicher Seite, die einzelnen Altbäume in den Gärten und
auf den Brachflächen, schließlich die Büsche und
Sträucher am Wegrand - all das gibt dem Landschaftsbild wieder
mehr Offenheit und Vielfalt.
Beim Wuhleausbau in den fünfziger Jahren wurde der Wuhlesee neu
angelegt. An seiner Stelle befand sich vorher ein langgestreckter
Sandrücken, den die Wuhle auf westlicher Seite umfloss. Der neu
geschaffene See hatte die Funktion, das Grundwasser in der Umgebung
abzusenken. Außerdem sollten sich die Schlämme, die die
Wuhle mitführte, beim Durchfließen des Sees absetzen.
Ende der achtziger Jahre musste die Wuhle von der
Heesestraße/Heerstraße bis zur Mündung erneut
ausgebaut werden. Das Klärwerk Falkenberg hatte inzwischen die
Funktion der Rieselfelder übernommen und über die Wuhle wurde
das geklärte Wasser abgeleitet. Da immer größere Mengen
an Schmutzwasser zu entsorgen waren, nahm auch der Abfluss an
Klarwasser zu. Die Durchlasskapazität der Wuhle sollte deshalb von
9 auf 15 m3/s erhöht werden. Gleichzeitig wurde der Wuhlesee auf
eine Tiefe von 5 m ausgebaggert und auf westlicher Seite von einem Damm
eingefasst, so dass die Wuhle jetzt den See umfließt. Ziel war
es, über eine Stauanlage die Wasserführung sowie den
Grundwasserstand zu regulieren und die Wasserqualität des Sees zu
verbessern.
Am Ostufer des Wuhlesees befindet sich der einzige unverbaute
Gewässerrand auf der gesamten Strecke zwischen Bundesstraße
1/5 und Wuhlemündung. Die Vielfalt der Vegetation vor allem in
Ufernähe hebt sich deutlich ab von anderen Gewässerstrecken.
Als Lebensraum für Tiere ist der Wuhlesee ebenfalls bemerkenswert.
Wasservögel finden an dem abgesperrten Damm die zum Brüten
nötige Ruhe. Der Fischbestand des Wuhlesees steht mit der Spree in
Verbindung.
Vom Wuhlesee ist es bis zur Dammheide
nicht weit. Dazwischen liegt eine
Kleingartenanlage, die aber leider keinen öffentlichen Durchgang
zur Dammheide besitzt. Dennoch ist der Wald (über die
Verlängerte Deutschhofer Allee) leicht und schnell zu erreichen.
Die Dammheide wird als Forst nur extensiv genutzt. Deshalb kann man
hier - im Unterschied zu einem "richtigen" Wirtschaftswald - die ganze
Palette eines naturnahen Waldlebenszyklus beobachten.