Am
Wuhlgarten
Auch südlich der
Cecilienstraße sind im Wuhletal ungenutzte Brachflächen mit
"Wildwuchs" anzutreffen. Doch prägend für diesen Bereich sind
die Reste eines Auenwaldes. Dieser Gehölzstreifen mit seinen
schönen alten Bäumen zieht sich in der Mitte der Niederung
etwa von der Cecilienstraße bis zur Altentreptower Straße
hin. Noch in den siebziger Jahren floss am östlichen Rand dieses
Streifens die alte Wuhle, ihr früheres Bett ist noch in Resten
vorhanden. Hier gibt es Gehölze, wie sie für Auen
charakteristisch sind: Weiden und Erlen, Eichen, Eschen und Pappeln.
Daneben finden sich aber auch Bäume wie Bergahorn, Spitzahorn und
Kastanie. Die ursprüngliche Auenvegetation wurde aber nicht nur
durch Neuanpflanzungen "verfälscht". Außerdem wirkt sich
hier die Austrocknung der oberen Bodenschichten sowie die
Aufschüttung von gebietsfremden Substraten aus. Offene
Wiesenflächen mit Hochstaudenfluren begleiten beidseitig den
Auenwald im Talraum.
Ein durch seine landschaftliche Vielfalt beeindruckender Abschnitt des
Wuhletals ist das Gebiet um das Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus,
der sog. Wuhlgarten. Auch hier wurde der ursprüngliche Naturraum
weitgehend umgestaltet, aber auch hier entstand eine interessante,
abwechslungsreiche Kulturlandschaft.
Bestimmend für das Landschaftsbild ist die Krankenhausanlage, die
als "Anstalt für Epileptische" von 1890 bis 1893 nach Plänen
von Stadtbaurat Hermann Blankenstein auf den westlichen
Wuhlehängen errichtet wurde. Das ursprüngliche
Krankenhausgelände umfasste ein Areal von 96 ha. Hier war Raum
sowohl für repräsentative Grünanlagen und
Erholungsgärten als auch für gärtnerische und
landwirtschaftliche Nutzflächen.
In der Mitte wurde das Gelände durch eine Kirschallee geteilt,
östlich davon erstrecken sich die zur Wuhle hin abfallenden
Hangbereiche, in die sich vier kuppenförmige Ausläufer des
Barnim hineinschieben. Dieses Geländeprofil wurde in die Anlage
bewusst einbezogen und den Vorbergen wurden unterschiedliche
Anstaltsaufgaben zugeordnet. Am Hangbereich, der nördlich des
jetzigen Krankenhausgeländes liegt und der von Bebauung
freigehalten wurde, lässt sich noch heute die ursprüngliche
Topographie erleben.
Heute umfasst das Krankenhausgelände 47 ha, der größte
Teil davon sind Park- und Grünanlagen. Zum Baumbestand des
Krankenhauses zählen ca. 3000 Bäume unterschiedlichen Alters.
Die Hauptbaumarten aus der Gründungszeit sind Ahorn, Esche, Eiche,
Kastanie, Linde, Hainbuche, Birke, Robinie, Fichte, Kiefer, Douglasie
und Eibe. Als exotische Kostbarkeiten sind die Magnolienbestände
hervorzuheben. Aufgrund ihrer Schönheit, Seltenheit oder wegen
landschaftstypischer Kennzeichen sind acht Bäume der Anlage als Naturdenkmale gesetzlich
geschützt.
Die Krankenhausanlage steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Auch der
Park gilt als wichtiges Gartenbaudenkmal und erfährt entsprechende
Fürsorge. So wurden in jüngster Zeit die südlich
gelegenen Wuhlehänge, die über Jahre durch einen
unvollendeten Krankenhausbau beeinträchtigt wurden, nach
historischem Vorbild neu gestaltetet. Hier wurde das ursprüngliche
Wegesystem und dessen Bepflanzung mit Obstalleen wiederhergestellt. Die
Mittel für diese Neuanlage wurden als Ausgleich dafür
aufgebracht, dass an anderer Stelle (beim Neubau des
Unfallkrankenhauses) nicht wenige alte Bäume fallen mussten.
Ursprünglich
gehörte auch
eine Teichanlage an der Wuhle, der heutige Karpfenteich, zum
Gesamtensemble. Obwohl gegenwärtig von der gärtnerischen
Anlage nicht mehr viel zu sehen ist, bietet die von hohen Bäumen
umstandene Wasserfläche zu jeder Tages- und Jahreszeit einen
malerischen Anblick. Der Karpfenteich kann vom Wuhlekanal
künstlich mit Wasser versorgt werden, doch diese Versorgung
unterliegt starken Schwankungen.
Östlich des Wuhlekanals liegen die Kaulsdorfer Klärteiche,
die heute zum Teil als Regenrückhaltebecken genutzt werden.
Interessant sind die Unterschiede zwischen den drei Teichen, die
verschiedene Grade der Verlandung aufweisen. Der südliche Teich
hat noch eine relativ große Wasserfläche, am Ufer wachsen
Rohrglanzgras und Zaunwinde, aber ein richtiger
Röhrichtgürtel hat sich nicht ausgebildet. Der mittlere Teich
galt noch vor wenigen Jahren als artenreiches Laichgewässer
für Amphibien, doch inzwischen ist die Verlandung weit
fortgeschritten. Am Rande des Weidengebüschs kann man mit ein
wenig Glück den Zwergtaucher und die Teichralle sehen. Auch halten
sich hier Rehe und Wildschweine auf. Der nördliche Teich ist von
Nord nach Süd mit Rohrglanzgras, Schilf, Weidengebüschen und
Rohrkolben fast zugewachsen.
Die (ursprünglich sechs) Teiche sind aber nicht nur als Lebensraum
und landschaftsgliederndes Element von Bedeutung. Als Relikt der
Rieselfeldnutzung sind sie zudem ein sichtbares Zeugnis dieser
früheren Kulturlandschaft im heutigen Landschaftsbild.