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Berliner Stadtteilzeitung




Ausgabe 311, 03.05.2005
Sanatorium am Rande der Stadt



Anpacken und mitmachen – erfrischend viel Elan entfaltete sich Mitte April in Biesdorf, als das rbb Fernsehen zu einer „96-Stunden-Aktion“ aufrief.


Die Wahl traf die Wildtierpflegestation des Naturschutzbundes im Wuhletal, um mehr Fläche für hilfsbedürftige Vögel zu schaffen. Bei schönstem Frühlingswetter entstanden sechs fachmännisch gezimmerte Großvolieren samt Streifenfundament aus Beton. Insgesamt wurden 120 Quadratmeter Volierefl äche neu geschaffen.

Die Kraft vieler Herzen machte es möglich. Firmen gaben Material aus, schickten vereinzelt Gerätschaften und Arbeitskräfte. Das Oberstufenzentrum Holztechnik in Adlershof entsandte 30 Lehrlinge. Bürger ließen sich vom 96-Stunden-Fieber anstecken. Sie spendeten Geld oder Material und einige eilten direkt zum Ort des Entstehens. Zu den Unterstützern gehören Barbara Feider und Marta Schulze aus Mahlsdorf, Ursula Zarbock aus Biesdorf, Mandy Mehle und Sascha Materna aus Marzahn, aber auch zahlreiche Helfer aus Steglitz, Tempelhof, Reinickendorf und anderen Teilen der Stadt. Nichts schmiedet so eng zusammen wie gemeinsames Schaffen.

Die Erweiterung der NABU-Station auf mehr als das Doppelte war dringend notwendig, denn die Zahl der federleichten Pfleglinge stieg immer weiter an. 2004 kümmerten sich die Mitarbeiter um 1.400 Vögel. „Allein eintausend Stockenten haben wir letztes Jahr zumeist vor Ort betreut, weil sie aus eigener Kraft das Gewässer nicht erreichten“, berichtet Projektleiter André Hallau.

Ein Schwarzmilan, im Brandenburgischen Joachimsthal geborgen, wurde zur Heilung seiner Flügelfraktur in die Tierklinik nach Düppel gebracht.

Einhundert junge Mauersegler, die vom Brutplatz abstürzten, befanden sich im Vorjahr quasi auf Intensivstation, denn jeder Brocken Nahrung muss bei Jungvögeln mühsam von Hand gefüttert werden. Während ihres Aufenthaltes werden alle Tiere auf die Wildbahn vorbereitet, die Verbesserung ihrer Überlebenschancen „draußen“ erfordert gute Fachkenntnisse.

Der Arbeitstag für die drei hauptamtlichen Mitarbeiter erstreckt sich mitunter bis um Mitternacht. Einer von ihnen ist in der grünen Jahreszeit fast ausschließlich an den Telefondienst gebunden – Berlin ist groß, seine Probleme für die Schar der Wildvögel auch und Bürger werden immer wachsamer. Tierschützer André Hallau sagt aber auch, dass so mancher Anrufer gern weiterdelegiert, was er selbst gut lösen könnte.

Vor genau zwei Jahren machte Platzmangel am Standort Pankow einen Umzug notwendig. Marzahn- Hellersdorf, das hat auch die rbb-Aktion gezeigt, bietet gute Möglichkeiten für die Arbeit des Naturschutzbundes.

Ute Bekeschus

Beitrag von Die Hellersdorfer
Artikel vom 03.05.2005 - 11:52 Uhr

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