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| Berliner Stadtteilzeitung | |
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Ausgabe 316, 01.10.2005 Bürgermeister soll abgewählt werden
Bis zur Kommunalwahl sind es noch zwölf Monate, doch in Marzahn-Hellersdorf haben SPD, CDU und FDP schon eine große Koalition geschmiedet. Sie kündigten an, in der Oktober-BVV einen Antrag zur Abwahl des Bürgermeisters Uwe Klett (zugleich Finanzstadtrat) zu stellen.
Dazu würde eine Zweidrittelmehrheit in der BVV benötigt.
Rechnung geht nicht auf Das Zahlenverhältnis in unserer BVV: SPD 13, CDU acht und FDP drei Stimmen – das macht 24. Dagegen stehen 31 Stimmen der Linkspartei.PDS, die „geschlossen zu Uwe Klett“ steht. Der Bürgermeister habe „das volle Vertrauen und die politische Unterstützung der Linkspartei.PDS. Der Abwahlantrag gegen ihn ist unberechtigt und entsprechend chancenlos“, erklärte Fraktionsvorsitzender Klaus Jürgen Dahler in der vorigen Woche.
Das Fass zum Überlaufen brachte vor allem die üble Streitkultur im Hauptausschuss der BVV, auf dessen Tagesordnung im September zweimal die Geldverteilung stand. (Inzwischen wurde der Haushalt von der BVV beschlossen.) Rund ein Dutzend Anträge stellte die PDS-Fraktion in den besagten Ausschuss-Sitzungen nur mündlich, beklagt Sven Kohlmeier, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Das ist weit weg von Knigge, denn die Mitglieder der übrigen Fraktionen können mündlich gestellte Anträge schlecht nachvollziehen. Des Weiteren habe die Linkspartei.PDS sämtliche Oppositionsanträge ohne Diskussion abgewiesen und immer wieder klar gemacht, die Mehrheit habe sowieso die PDS und daher sei jeder Widerstand zwecklos, beschreibt Kohlmeier die Sitzungen im Hauptausschuss. Ein solcher Spiegel der Ohnmacht kann einen vollblütigen Volksvertreter schon mal in Wallung bringen.
Jugendhilfe „wichtiger“ Die inhaltliche Ursache für den Parteienstreit liegt im Verhältnis von Zuweisungen und es zeigt sich, dass die Bettdecke selbst dort zu kurz ist, wo noch ganz gut Geld hinfließt. SPD, CDU und FDP wollen weniger Geld für Jugendhilfe und mehr für Schulen ausgeben. Bildung und Jugendhilfe sind gleichermaßen Pflichtaufgaben der Stadt und die PDS hat sich mit ihrer Stimmenmehrheit im Parlament für die Jugendhilfe entschieden. Diese Hilfe ist eine individuelle Hilfe, konstatiert Jugendstadträtin Dr. Manuela Schmidt (PDS). Dafür stehen in diesem Jahr 28,3 Millionen Euro zur Verfügung. Benötigt werden aber 34,2 Millionen Euro. In den letzten drei Jahren war auf diesem Gebiet bereits kräftig gestrichen worden.
Gegen weitere Kürzungen protestierte Ende September vor dem Rathaus die Liga der Wohlfahrtsverbände gemeinsam mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und unterstützte somit den Bürgermeister gegen das Ansinnen einer Abwahl. Die Liga verweist darauf, dass 18,5 Prozent der Kinder in Berlin als arm gelten (Marzahn-Hellersdorf wahrlich nicht ausgenommen), das sind fast doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt.
Tm/be
Schulen werden‘s spüren SPD- und CDU-Fraktion kritisieren scharf die beschlossenen Einsparungen (5,6 Millionen Euro) im Bildungsbereich. Dorthin wollte die SPD vier Millionen Euro umschichten, um die Funktionsfähigkeit der Schulen aufrechtzuerhalten. Dies wurde bereits von der PDS im Haushaltsausschuss ohne Diskussion abgelehnt und führte zum Eklat. Somit fehlen im nächsten Jahr unter anderem bei der Hausreinigung 1,8 Millionen Euro und bei der Fernwärme 2,6 Millionen Euro.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Paul Hofmann kritisiert vehement die jahrelange Schuldenpolitik der PDS unter Federführung des Finanzstadtrates Dr. Klett und verdeutlicht sie in Zahlen (je in Euro)
2000 6,1 Millionen 2001 15,57 Millionen 2002 44 Millionen 2003 45,5 Millionen 2004 34,7 Millionen 2005 35,5 Millionen (vorauss.) 2006 40 Millionen (vorauss.)
Die Pro-Kopf-Verschuldung im Bezirk liegt bei derzeit 142 Euro.
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Artikel vom 01.10.2005 - 22:26 Uhr |
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