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| Berliner Stadtteilzeitung | |
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Ausgabe 318, 13.12.2005 Fürsorglich mit Laib und Seele Ausgabestelle in der Adorfer Straße hilft finanziell Benachteiligten
„Laib und Seele“ heißt eine gemeinsame Aktion von Berliner Tafel e.V., Kirchen und rbb. Mit „Laib und Seele“ helfen seit März Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinden Hellersdorf und Hönow sowie weitere Freiwillige betroffenen Menschen in Hellersdorf mit sehr niedrigem Einkommen.
Einmal die Woche sortieren sie ehrenamtlich und sorgfältig einwandfreie, aber überzählige Lebensmittel, das sind Brot(laibe), Obst und Gemüse überwiegend von Supermärkten. Zu den Gebern gehören Kaiser‘s und die Lidl-Kette. Jede weitere Bereitstellung ist willkommen, auch Einzelspenden, und sei es nur eine Suppendose.
Wer in der Ausgabestelle in der Adorfer Straße Lebensmittel empfängt, zeigt seinen Sozialausweis und wird zur internen Übersicht auf einer Liste erfasst. Registriert wurden bislang 500 Hellersdorfer Familien, die von dem Angebot Gebrauch machten. Erwachsene bezahlen als Spende einen Euro, für ihre Kinder wird die Einkaufstasche gratis gefüllt. Der symbolische Euro macht die Zuwendung zum Kauf und vermeidet bei den Besuchern das Gefühl ein Bittsteller zu sein. „Es kommt uns auf die Begegnung auf gleicher Augenhöhe an“, sagt Edith Reiher vom Helferteam. „Schließlich geben wir die Waren nur weiter.“
„Man fühlt sich gleichberechtigt“, bestätigt Yvonne Thamm aus der Maxie-Wander-Straße. Sie und ihr Lebenspartner Christan Gerlach erhalten Sozialhilfe nach Hartz IV. Ihre Kinder sind 6, 8, 10 und 13 Jahre alt und freuen sich regelmäßig über mitgebrachtes Obst und Gemüse. Das eingesparte Geld ermöglicht unerwartete Ausgaben in der Schule – zum Beispiel für Tagesausflüge –, was den Kindern sonst verweigert bliebe. Frau Thamm lobt die Organisation der Lebensmittelausgabe, zur Vermeidung von Warteschlangen erhält seit kurzem jeder eine Nummer für die nächste Woche.
Seniorinnen berichten von teils chaotischen Abläufen in der Marzahner Ausgabestelle. „Aber der Pfarrer dort ist schwer in Ordnung“, sagt die 68-jährige Rita Trede aus der Kraetkestraße in Kaulsdorf. Frau Trede hat 35 Jahre lang gearbeitet, überwiegend sechs Stunden pro Arbeitstag. Sie erhält eine Rente von 510 Euro. Von der Rente ihres Mannes, der in einem Pflegeheim betreut wird, erhält sie einen kleinen Teil für Aufwendungen.
Im Pflegeheim lernte sie Doris Meißner aus der Heinrich-Grüber- Straße kennen. Frau Meißner ist inzwischen Witwe, hat 42 Jahre lang gearbeitet und erhält 750 Euro Rente. Das Pflegeheim, erzählt sie, schluckte alles Geld. Die beiden Frauen sind froh über „Laib und Seele“ – die Gesellschaft, die sie erst seit anderthalb Jahrzehnten kennen, zeigt hier ganz konkret ein menschliches Antlitz.
Geldspenden sind willkommen! Wer einwandfreie Lebensmittel spenden möchte, kann sie an den Ausgabetagen um 10 Uhr abgeben oder in den Büros der Kirchengemeinden Hellersdorf und Hönow. Projektträger ist der Verbund e.V., Telefon 30 86 71 81.
Ute Bekeschus
Ausgabetermine
Immer Mittwoch 11 bis 12 Uhr im Schülerzentrum „Kraftwerk“, Adorfer Straße (Nähe Riesaer Straße). Die nächsten Termine in diesem Jahr: 14., 21. und 28. Dezember | |
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Artikel vom 13.12.2005 - 17:54 Uhr |
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