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| Berliner Stadtteilzeitung | |
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Ausgabe 322, 01.04.2006 Strausberg hat nichts mit „Straußen“ zu tun
Der Barnim als historische Landschaft ist weit mehr als der heutige Landkreis. Ausgangspunkt für den Stadtbummel in Strausberg soll der S-Bahnhof, ehemals Bahnhof Strausberg-Vorstadt sein. Hier finden wir schon die erste Besonderheit.
1867 wurde die Ostbahn als kürzeste Verbindung von Berlin über Küstrin in Richtung Ostpreußen und Baltikum eröffnet. Strausberg blieb „links“ liegen. 26 Jahre später richtete man daher eine eigene „Strausberger Eisenbahn“ ein. Zunächst mit Dampf, seit 1921 als elektrische Straßenbahn, stellte sie die Verbindung zwischen Vorstadt und Innenstadt her.
Am Lustgarten angekommen, geht es ein Stück die August-Bebel-Straße zurück und nach rechts über den Fichteplatz. Das alte Seebad mit seinen pittoresken Holzbauten wurde liebevoll restauriert. Nach rechts geht es auf der Promenade entlang. Insgesamt etwa neun Kilometer misst der zum großen Teil behindertengerechte Weg um den See. Im Seegasthof wird Strausberger Bockbier angeboten. Wer nicht den gesamten See umrunden will, zum Bötzsee oder zur Wesendahler Mühle wandern möchte, nimmt die Fähre über den Straussee. In Europa einmalig wird sie per elektrischer Oberleitung betrieben. Eine Fahrt lohnt schon wegen des Blickes hinüber zur Stadt. Wieder zurück geht es einige Meter geradeaus und dann nach links. Hier stand einst das Landsberger Tor. Vom Pulverturm finden wir nur noch die Westwand. Das Gebäude war 1945 stark beschädigt und später abgetragen worden. Wir folgen der Promenade an der stark befahrenen Wallstraße nach links entlang der Stadtmauer. Bereits 1254 wurde die Stadtbefestigung erwähnt, sie erreichte eine Länge von 1.900 Meter und war bis zu sechs Meter hoch. Von den drei Stadttoren ist nichts erhalten. Durch eine Mauerlücke erreichen wir die Altstadt. Große Teile der alten Bebauung wurden 1945 zerstört. Am Buchhorst aber sehen wir einige renovierte, neu verputzte Bürgerhäuser. Über die Jungfernstraße geht es ins Zentrum und dann nach rechts in die Große Straße. Wir passieren den Markt, am oberen Ende steht das Stadthaus, 1819 als Rathaus an Stelle des baufälligen Vorgängerbaus errichtet. Die heutige Stadtverwaltung sitzt allerdings in einem Neubau. Am Ende der Großen Straße führt die Klosterstraße bergan. Wo sich heute die Außenstelle der Kreisverwaltung befindet, stand Anfang des 13. Jahrhunderts eine Burg. 1247 wurde „Struzeberch“ erstmals als Stadt erwähnt. Das Wort „Struze“ kommt aus dem Slawischen und bedeutet „Schote“. Der See in seiner länglichen Form sieht von oben wirklich wie eine Schote aus. „Struze“ wurde später zu „Straus“.
Die Burg hatte allerdings keinen langen Bestand. Schon 1252 hatte Markgraf Otto III. hier ein Dominikanerkloster gestiftet, das fast 300 Jahre bestand. Das heutige Hauptgebäude entstand 1792 als Landarmen- und Invalidenhaus. Auf dem Fischerkietz wohnten die Dienstleute der Burg. Romantisch stehen alte, abgestorbene Bäume am Wasser. Efeu umrankt die Mauer. Nach wenigen Schritten trifft man auf die wehrhaft anmutende Marienkirche. Ein Epitaph ist Andreas Engel gewidmet. Er war hier im 17. Jahrhundert Pfarrer und als märkischer Chronist so etwas wie ein früher Fontane. Zur Besichtigung der Kirche melde man sich bitte im Pfarramt (Telefon 03341/21 55 41). Auch ein Blick vom Turm lohnt. In der Großen Straße treffen wir auf ein ungewöhnliches, aus Feldstein erbautes Bürgerhaus. Der Brauhof war einst Wohnsitz wohlhabender Stadtbürger. Heute kann man im Vorderhaus italienische Delikatessen probieren. Einst hatten 60(!) Häuser in der Stadt das Braurecht. Vom Lustgarten geht es wieder zur „Vorstadt“. Die Berliner S-Bahn verkehrt seit 1948 bis Strausberg, nach Einrichtung des DDR-Verteidigungsministeriums auch bis Strausberg-Nord, jedoch bis heute nur im 40-Minuten-Takt.
Frank Beiersdorff | |
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Artikel vom 01.04.2006 - 12:28 Uhr |
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