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| Berliner Stadtteilzeitung | |
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Ausgabe 322, 01.04.2006 Spätaussiedler stärker integrieren Gespräch mit Innensenator Dr. Ehrhart Körting
Marzahn-Hellersdorf weist von allen Berliner Stadtbezirken die niedrigste Quote ausländischer Mitbürger auf. Dass jedoch etwa ein Zehntel der Bevölkerung aus den GUS-Staaten kommt, fällt weder im Stadtbild noch in der offi ziellen Statistik auf.
Die Zahl von geschätzt 25.000 stützt sich auf eher verwinkelte Anhaltspunkte, denn Spätaussiedler gelten von Amts wegen als Deutsche. Doch das Leben zeigt: Nach einem Leben in Russland, Kasachstan oder in der Ukraine bei uns neu zu wurzeln ist etwas anderes als hier geboren und aufgewachsen zu sein. Beobachter registrieren mangelnde Integration, trotz spezieller Bemühungen zum Beispiel des Quartiersmanagements in Marzahn-Nord. „Die Hellersdorfer“ sprach mit Berlins Innensenator Dr. Ehrhart Körting.
Herr Körting, in unserem Bezirk gibt es Aussiedler-Ballungsgebiete. Wie bewerten Sie das? In New York gründete sich einst ein Deutschland-Viertel und China- Town gibt es mehrfach auf der Welt. Es ist nicht zu verhindern, dass Menschen aus der Fremde dorthin ziehen, wo sie auf größtmögliche Ähnlichkeit mit ihrer Kultur, auf eine gemäße Versorgungsstruktur oder sogar auf Verwandte treffen.
Isolation statt Integration? Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Menschen ein Gefühl geborgener Gemeinsamkeit zu geben und zugleich den Dialog zur angestammten Bevölkerung zu fördern ist unser Ziel. Berlin bietet einen großen Erfahrungsschatz von Integrationsmöglichkeiten. Ein gutes Beispiel für Verständigung ist das türkische Kinderfest „23Nisan“. Nicht nur in Marzahn-Hellersdorf leben so genannte Russland- Deutsche. In Berlin-Spandau wohnen rund 20.000 Spätaussiedler und weitere konzentrieren sich in Lichtenberg und Charlottenburg-Nord.
Gibt es in Sachen Sicherheit Anlass zur Sorge? Bisher nicht. Polizisten haben mir berichtet, dass sie auf allen Deliktfeldern keine Auffälligkeiten feststellen – mit Ausnahme der Tatsache, dass stark alkoholisierte Aussiedler sich untereinander oft rauschhaft verprügeln.
Häufig wird die Meinung vertreten, dass Aussiedler öfter und schwerwiegendere Straftaten begehen als „echte“ Deutsche. Das ist nach den Erkenntnissen der Polizei einfach nicht wahr. Der ähnliche kulturelle Hintergrund macht es Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion insgesamt leichter sich zu integrieren als anderen ethnischen Gruppen.
Wo liegt also der Knackpunkt? Um der Bildung einer Parallel- Gesellschaft vorzubeugen muss die Politik stärker als bisher die Arbeit zahlreicher Sozialhelfer in den verschiedensten Vereinen unterstützen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Sprachbarrieren, eine hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Kontakte zu Ausgrenzungen führen. Insofern kann man den präventiven Nebeneffekt in Sportvereinen nicht hoch genug schätzen. Ich möchte Aussiedler auch dazu ermuntern sich selbst einzubringen. Der Bezirk könnte ein gemeinsames Fest veranstalten, nach dem Motto: Wir sind Nachbarn!
Gespräch: Ute Bekeschus | |
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Artikel vom 01.04.2006 - 12:45 Uhr |
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