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| Berliner Stadtteilzeitung | |
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Ausgabe 325, 01.07.2006 Mitbürger aufwecken in Sachen Umwelt In der Greenpeace-Gruppe Berlin machen auch Senioren aktiv mit
„Taten statt Warten“ hieß ein „literarisches Frühstück“ in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain, Freizeitforum Marzahn. Einem interessierten Publikum berichteten Greenpeace-Mitglieder von Aufsehen erregenden Aktionen und der Vielzahl persönlicher Einsätze im Kleinen, die weniger spektakulär verlaufen und dennoch unverzichtbar sind für das Aufwecken in Sachen Umwelt.
Beispiel Claudia Maiwald, seit 15 Jahren ehrenamtlich aktiv in der Berliner Gruppe. Sie koordinierte eine anregende Ausstellung in den Räumen der Bibliothek und betreute gemeinsam mit vielen anderen Ehrenamtlichen der Berliner Greenpeace Gruppe bis Ende Juni zwei Dutzend Grundschulklassen, die sich ganz anschaulich ein Bild machen konnten von bewegenden Grundproblemen unserer Zeit.
Greenpeace, das sind doch die Spinner, die das Äußerste wagen, nur um in die Medien zu kommen? – Solche Meinungen mag es geben. Doch die Hintergründe sind ernst und manche politische Entscheidung zugunsten des Lebens auf unserer Erde hat die Organisation in ihrer 35-jährigen Geschichte schon erreicht.
Gegründet 1971 als Reaktion auf USAtombombentests, wurde Greenpeace mit einem Schlag bekannt. Mit spektakulären Aktionen wandten sich deutsche Planetenfreunde ebenso gegen die Einleitung von Giften in die Nordsee wie gegen ungefilterten giftigen Rauch aus Industrieschornsteinen – später wurde die Bundesrepublik zum führenden Land bei der Herstellung von Filtern. Zur Wendezeit entwickelte die Organisation gemeinsam mit der DDR-Firma Foron 1992 den ersten FCKW-freien Kühlschrank. Etwas später lief der Ökokühlschrank „Greenfreeze“, der zudem Strom spart, auch in China vom Band.
David kämpft gegen Goliath – 1995 riskierten wetterfest verhüllte Aktivisten ihr Leben auf der „Brent Spar“, einer Ölplattform der Firma Shell, als sie per Wasserwerfer beinahe von der Plattform gespült wurden. Der Protest richtete sich gegen die Absicht, die Eisenmonster nach dem Ende der Bohrungen einfach dem Meer zu übergeben. In Folge der „Brent Spar“- Kampagne beschloss die Konferenz der Ostatlantik-Anrainer, die Entsorgung von Öl- und Gasplattformen im Meer generell zu verbieten. Dass Einhüllentanker, die Schweröl geladen haben, seit Oktober 2003 EU-Häfen nicht mehr anlaufen dürfen und Neuzulassungen nur noch für Doppelhüllentanker genehmigt werden, ist auch den zahlreichen Greenpeace-Aktionen zu verdanken.
Claudia Maiwald freut sich heute noch darüber, dass das klare Nein von Greenpeace zum Irakkrieg auch von der damaligen Bundesregierung vertreten wurde. Doch was sagt die jetzige Regierung zu den brennenden Fragen der Zeit? Wale gegen rücksichtslose Walfänger zu schützen, erhält auch die Zustimmung der Kanzlerin. Mit der Gentechnologie und dem Ausstieg aus der Atomenergie sieht es schon anders aus.
540.000 Förderer zählt die Weltorganisation allein in Deutschland, viele von ihnen zahlen kleine Beträge ab 5 Euro monatlich. Ehrenamtliche Mitglieder geben nicht zwangsläufig auch Geld, denn Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Zeit und Kraft für eine sinnvolle Sache einzusetzen haben sich zum Beispiel die „50 plus“-Teams auf die Fahnen geschrieben. Auch ohne kühne Vorort-Aktionen praktizieren über-50-Jährige beispielsweise direkten Urwaldschutz und die Schonung wertvoller Rohstoffe: An Infoständen oder bei gezielten Gesprächen in Konzernleitungen wollen sie dem Recyclingpapier die gesellschaftliche Anerkennung seiner ökologischen Bedeutung zurückgeben, die es in Deutschland schon einmal hatte. Recyclingpapier kostet etwa genauso viel wie konventionelles Frischfaserpapier und ist mittlerweile sogar in weißer Tönung erhältlich. Weltweit steigt der Papierverbrauch und damit die Bedrohung für die letzten Urwälder Russlands, Skandinaviens und Kanadas.
Kontakt: Dieter Siegmann aus Biesdorf Telefon 0177/866 56 79 www.greenpeace-berlin.de
Ute Bekeschus
Mehr Pestizide Ein kanadischer Farmer berichtete kürzlich über ein Jahrzehnt Erfahrungen mit genmanipulierten Landwirtschaftsprodukten. Insbesondere der neuartige Rapsanbau bringt äußerst robuste Unkräuter hervor. Deshalb wird heute das !Zehnfache an Pflanzengiften gespritzt als vor Einführung der Gentechnologie.
Tot oder sterbend über Bord Weltweit werden jährlich etwa 85 Millionen Tonnen vermarktungsfähiger Fisch gefangen. Doch zusätzlich gehen rund 30 Millionen Tonnen Meerestiere ins Netz, die nicht weiterverarbeitet werden. Dieser so genannte Beifang wird tot oder sterbend über Bord gekippt. Das besonders umweltfeindliche Fischen von Schollen bringt sogar die neunfache Menge an Beifang hervor.
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Artikel vom 01.07.2006 - 20:05 Uhr |
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